Stabilitätsstudie nach ICH Q1A planen: 36 Bestimmungen für 24 Monate Haltbarkeit
Autor: CovaSyn-Team, Expertinnen und Experten für Chemie und Analytik · Aktualisiert am 2026-08-03
Kurz und direkt
Für eine Tablette, Klimazone II, Zielhaltbarkeit 24 Monate ergibt der gerechnete Plan zwei Lagerbedingungen, 25 Grad bei 60 Prozent relativer Feuchte als Langzeitbedingung und 40 Grad bei 75 Prozent als beschleunigte Bedingung. Die Langzeitbedingung hat sieben Zeitpunkte, 0, 3, 6, 9, 12, 18 und 24 Monate, die beschleunigte fünf, 0, 1, 2, 3 und 6 Monate. Bei drei Chargen und einem geprüften Parameter sind das 36 Bestimmungen.
Die Zahl 36 ist die Untergrenze, nicht der Aufwand. Sie gilt für genau einen Parameter. Eine reale Spezifikation prüft Gehalt, verwandte Substanzen, Aussehen, Wassergehalt und Freisetzung, und jeder zusätzliche Parameter multipliziert die Zahl. Wer den Plan als Angebotsgrundlage verwendet, sollte die Parameterliste vorher festlegen, nicht nachher.
Das gerechnete Ergebnis
| Bedingung | Kategorie | Zeitpunkte (Monate) | Anzahl |
|---|---|---|---|
| 25 Grad C / 60 % rF | Langzeit | 0, 3, 6, 9, 12, 18, 24 | 7 |
| 40 Grad C / 75 % rF | beschleunigt | 0, 1, 2, 3, 6 | 5 |
| Gesamt: 3 Chargen, 1 Parameter | Aufwand | 12 Zeitpunkte gesamt | 36 |
Gerechnet am 03.08.2026 mit covastab_design_study, Klimazone II, Produkttyp Tablette, Zielhaltbarkeit 24 Monate. Wörtliche Werkzeugausgabe.
Warum genau diese zwei Bedingungen?
Klimazone II ist die gemäßigt mediterrane Zone, zu der Europa und damit der EU-Zulassungsraum gehoert. ICH Q1A legt für sie 25 Grad bei 60 Prozent als Langzeitbedingung fest und 40 Grad bei 75 Prozent als beschleunigte. Für die Zonen III und IVb gelten andere Werte, was den Plan ändert, sobald eine Zulassung ausserhalb Europas dazukommt. Der Klimazonen-Parameter ist deshalb der erste, den man bewusst setzt und nicht auf der Voreinstellung laesst.
Eine Zwischenbedingung, üblicherweise 30 Grad bei 65 Prozent, sieht der gerechnete Plan nicht vor. Nach ICH Q1A hängt sie an zwei Bedingungen, und beide müssen zutreffen. Erstens muss die Langzeitlagerung bei 25 Grad und 60 Prozent laufen, denn wer ohnehin bei 30 Grad und 65 Prozent einlagert, hat die Zwischenbedingung bereits als Langzeitbedingung und braucht keine zweite. Zweitens muss unter der beschleunigten Bedingung eine signifikante Änderung auftreten. Das ist kein Versäumnis des Plans, sondern die Reihenfolge der Leitlinie: die Zwischenbedingung folgt aus dem Ergebnis und aus der gewählten Langzeitbedingung, nicht aus dem Entwurf.
Was macht die Studie teuer, und was nicht?
Nicht die Zahl der Zeitpunkte. Teuer sind drei Dinge: die Zahl der geprüften Parameter, die Zahl der Chargen, und jede Wiederholung, die entsteht, weil eine Methode zum Zeitpunkt der ersten Einlagerung noch nicht validiert war. Der dritte Punkt ist der, der Zeitpläne reisst, und er hat nichts mit Stabilität zu tun.
Der Plan rechnet mit drei Chargen, wie ICH Q1A es für eine Neuzulassung verlangt. Für eine Änderung an einem bestehenden Produkt kann eine geringere Chargenzahl ausreichen, was den Aufwand ungefähr drittelt. Diese Entscheidung gehört vor die Einlagerung, weil sie sich nachträglich nicht korrigieren laesst.
Studienplan aufstellen, in fünf Schritten
- Zulassungsraum festlegen: Die Klimazone folgt aus dem Markt, nicht aus dem Standort des Labors. Sie bestimmt beide Lagerbedingungen.
- Parameterliste schliessen: Jeder später ergänzte Parameter erzeugt eine eigene Zeitreihe und lässt sich rückwirkend nicht nachholen.
- Chargenzahl begründen: Drei Chargen für eine Neuzulassung, weniger nur mit dokumentierter Begruendung.
- Methoden vor der Einlagerung validieren: Eine erst später validierte Methode entwertet die früheren Zeitpunkte, und die sind nicht wiederholbar.
- Auswertung nach Q1E einplanen: Die Haltbarkeitsangabe entsteht aus dem Vertrauensbereich, nicht aus dem letzten Messwert.
Häufige Fragen
- Welche Klimazone gilt für die EU?
- Zone II. Die Langzeitbedingung ist 25 Grad bei 60 Prozent relativer Feuchte, alternativ 30 Grad bei 65 Prozent. Für eine weltweite Zulassung wird üblicherweise gegen die strengste beteiligte Zone eingelagert, damit nicht zwei Studien parallel laufen.
- Was gilt als signifikante Änderung?
- Nach ICH Q1A unter anderem eine Gehaltsänderung von fünf Prozent gegenüber dem Ausgangswert, das Überschreiten eines Spezifikationswerts für ein Abbauprodukt, oder ein Versagen bei Aussehen, physikalischen Eigenschaften oder Freisetzung. Tritt eine solche Änderung unter der beschleunigten Bedingung auf, wird die Zwischenbedingung erforderlich.
- Wie komme ich von den Daten zur Haltbarkeitsangabe?
- Über ICH Q1E. Dort steht das Verfahren für die Extrapolation, die Frage der Poolbarkeit mehrerer Chargen und die Verwendung des einseitigen 95-Prozent-Vertrauensbereichs. Die Haltbarkeitsangabe ist der Zeitpunkt, an dem dieser Vertrauensbereich die Spezifikationsgrenze schneidet, nicht der Zeitpunkt, an dem es der Mittelwert tut.
- Was ist Matrixing und wann lohnt es sich?
- Matrixing bedeutet, dass an einem Zeitpunkt nicht jede Kombination aus Charge, Packmittel und Stärke geprüft wird, sondern eine ausgewogene Teilmenge. Es lohnt sich, sobald mehrere Stärken oder Packmittel im Spiel sind. Bei einer einzigen Stärke in einem Packmittel gibt es nichts zu matrixen.
- Deckt der Plan die Photostabilität ab?
- Photostabilität ist in ICH Q1B eigenständig geregelt und läuft nicht als Zeitpunkt in der Lagerstudie mit. Ob und in welchem Umfang sie für ein konkretes Produkt nötig ist, entscheidet die Bewertung nach Q1B und nicht dieser Studienplan.
Quellen
- ICH Q1A(R2): Stabilitätsprüfung neuer Wirkstoffe und Arzneimittel. Quelle der Lagerbedingungen, Zeitpunkte und Chargenzahl.
- ICH Q1E: Auswertung von Stabilitaetsdaten. Quelle des Extrapolations- und Poolbarkeitsverfahrens.
- ICH Q1B: Photostabilitaetspruefung. Eigenständig geregelt, nicht Teil des Lagerstudienplans.
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